Im Iran hat die Poesie schon immer und durch alle Epochen eine wichtige Stellung unter den Künsten für das Volk gehabt. Die Quelle der Inspiration versiegte nie und begießt noch immer die Gärten der iranischen literarischen Landschaft. Eine poetische Landschaft, die seit Anbeginn der Antike bis zum heutigen Tage einzigartig und kulturell als das Non plus ultra auf der Welt unter Kennern gilt. Die Poesie ist somit für die Iraner verflochten im Alltag und viele Liebesdichtungen haben das Kollektiv des Irans bisher stark geprägt. Der große Dichter Rumi hat nicht nur einen Einfluss in der Literatur Irans, sondern ist heute einer der meistgelesenen Dichter in den USA und Europa. Durch den West-östlichen Diwan, hat Goethe sieben berühmte Dichter Persiens gerühmt und veranlasste kurz danach die erste deutsche Übersetzung des „Diwane Hafez“, die bis zum heutigen Tag in Deutschland gelesen wird. Joseph von Hammer-Purgstall (9.6.1774 - 23.11.1856) der berühmte österreichsche Orientalist war ein Kulturinteressierter, dessen Lebenswerk, der nicht nur dem damaligen Persien galt, sondern auch dem osmanischen Reich und den arabischen Ländern, in der Szene der Orientalisten noch immer der Wegweiser sowohl für Laien als auch für Spezialisten ist. Mit der Übersetzung des „Diwane Hafez“ legte er den Grundstein für Orientalistik schlechthin, denn bis dahin galten jegliche Studien über den Orient der jeweiligen Religionen wie Judentum und Christentum.
Wir drehen das Zeitrad zurück und gelangen zu den Anfängen der Poesie im alten Persien oder besser gesagt Babylonien, in dem einer der ältesten literarischen Dichtungen der Menschheit, nämlich das Gilgamesh-Epos auf Steintafel in Keilschrift eingemeißelt worden ist. Allerdings gibt es mehrere Fassungen und Vorlagen aus verschiedenen Epochen wie sumerisch, alt-, mittel- und neubabylonisch, akkadisch und noch die hethitische Fassung. Das Epos selbst behandelt grundsätzliche existentialistische Themen. Es befasst sich stark mit der Suche nach ewigem Leben und zugleich mit der Verwundbarkeit des Lebens. Gilgamesh ist ein selbstherrlicher Tyrann, der übermenschliche Kräfte besitzt, da er ein Halbgott ist. Doch er muss auch seine Lehren aus der Schule des Lebens ziehen und ist hin und hergerissen zwischen dem Nieder- und Übermenschlichem.
Und Wenn wir das Zeitrad weiter nach vorn drehen, so gibt es Studien zufolge zwei Epochen altpersischer Dichtung. Die erste beginnt ungefähr 1000 vor Christus und reicht bis zum Jahre 331 vor Christus. In dieser Epoche sind Schriften in awestischer und persischer Sprache vorhanden. Das heilige Buch der Zoroastrier „Awesta“ ist in Gedichtform, da die Anhänger ihre spirituellen Zeremonien mit diesen Gedichten, die sie gemeinsam in Form von Chorgesängen vortrugen, unterrichten. Eine weitere Überlieferung aus dieser Zeit sind Teile der Darius-Inschrift an der Wand des Bistun-Berges, gelegen im westlichen Iran.
Die zweite Epoche beginnt mit dem Fall der Achämeniden durch die Eroberung Persiens durch Alexander dem Großen. Nachdem Alexander wichtige persische Werke ins Griechische übersetzen ließ und die Originalschriften vernichten ließ, kam es zu einem Umbruch in der iranischen Literatur und Wissenschaft. Dieser Umbruch kann nicht als eine Stagnation der Literatur im Iran gedeutet werden, da aus eben jener Zeit Werke wie die berühmte Geschichte mit Baum und Ziege, unter dem Titel „Derakht Assurik“ oder weitere Werke wie „Asch’ar game eh zartoschti“; „Andarznameha“, „Yadegar Zariran“; „Gamasb-Nameh“ sind unter anderem aus dieser Epoche überliefert.
Nachdem Ardeshir Babakan die Sassaniden-Dynastie ins Leben rief, florierte die poetische Landschaft Irans und erlebte einen regelrechten Hoch. Die Verflechtung der Poesie mit Musik transformierte die altpersische Kultur in eine modernere Form und damalige Komponisten wie Nakissa und Barbod begleiteten das pure Gedicht mit Klang und Rhythmus. Dass das Gedicht in der Sassaniden-Ära weit verbreitet war zeigen die aus damaliger Zeit entstandenen literarischen Begrifflichkeiten wie Tschakameh, oder Ghassideh, was soviel bedeutet wie Elegie. Weiterhin die Begriffe Sarwad, was Gedicht bedeutet oder Bassamad, das Reim bedeutet. Drei kleinere Werke aus der damaligen Zeit sind gefunden worden: „Andarze Danayan“(übers:“Rat der Weisen“); „Madhe Kherad“(übers:“Lob auf die Weisheit“) und „Wasfe Kherad“ (übers: „Erklärungen zur Weisheit“). Ein weiteres Minnewerk ist „Weys wa Ramin“, wobei das Original zunächst in Parthisch gehalten und dann in Pahlawi übertragen. Beide Fassungen dieses Werks sind verloren gegangen, jedoch da das Buch unterm Volk sehr beliebt war, ergriff zu Beginn der islamischen Zeit Fakhroddin Assad Gorgani die Initiative und schrieb das buch nach. Diese Fassung ist bis heute erhalten geblieben.
Auch nach den gesellschaftlichen Umbrüchen während und nach der islamischen Invasion sind im Iran weitere bedeutende Literaten und Poeten das Firmament der iranischen Literatur erhellt. Sie schufen Ihre Gedichte in der Pahlawi-Mundart. Aber auch die Sogdi- oder die Kharazmi-Munart oder gar arabische Schriften sind aus der Zeit entstanden. Obwohl die arabische Sprache immer mehr die Pahlawi-Mundart zu verdrängen versuchte, kann man heute behaupten, dass die Iraner das einzige Volk sind, die es über die Jahrhunderte die eigene ursprüngliche Sprache beibehalten konnten. Doch die Einflussnahme der arabischen Sprache auf die Persische ist beispielsweise in der heutigen Schrift, die arabisch ist, zu sehen. Doch die persischen Mundarten, insbesondere das Farsi e dari avancierte zur literarischen Sprache und die ersten persischen Gedichte schrieben Poeten wie Mohammad Wassif Sistani, Bassam Kord oder Bahram Gur.