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Theaterabend am 19. und 30.11., 11. und 17.12.2011

Never Land. Kein Land in Sicht

Ein Theaterabend von und mit Bewohnern des Asylbewerberheims Weimar

 

Regie Carlos Manuel Ausstattung Stefan Horn Dramaturgie Sophie-Thérèse Krempl
Motion Design Robert Brommer und Marko Mitter Sound Design Stefan Kahles
Videotechnische Betreuung Bahadir Hamdemir

in Kooperation mit dem Asylbewerberheim Weimar
mit freundlicher Unterstützung der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH

 

Premiere 19. November 2011 20.00 Uhr e-werk


Weitere Vorstellungen:

30.11. (mit anschließendem Publikumsgespräch), 11. und 17.12.2011

Welchen Blick haben Fremde auf Weimar? Und welchen Blick wirft Weimar auf das Fremde? Etwa 110 Flüchtlinge leben derzeit im Asylbewerberheim am nördlichen Stadt-rand von Weimar, unter ihnen 35 Kinder. Manche seit zwei Monaten, manche seit zwölf Jahren. Sie haben ihre Familien, ihre Heimat aufgegeben, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, vielleicht sogar in der Hoffnung auf ein Land, in dem sie neu würden leben können. Aber ein solches Land haben sie nicht gefunden und es ist auch nicht in Sicht.
Auf der Suche danach sind sie meist unbeabsichtigt nach Deutschland gekommen, die Wahl der Fluchtwege und -ziele ist nicht freiwillig. Dabei gehören diejenigen, die es in eines der Erstaufnahmelager in Deutschland geschafft haben, bereits zu einer erstaun-lichen Minderheit: Während derzeit über 40 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind, schaffen es nur 220.000 Menschen auf die Innenseite der für Außenseiter gut gesicherten europäischen Grenzen.
Dennoch verzeichnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) laut ProAsyl im Jahr 2010 in 48.287 Entscheidungen die Anerkennung von bloß 7.061 Personen als Flüchtlinge gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention, und lediglich 643 Personen oder 1,3 Prozent wurde nach dem deutschen Grundgesetz eine Asylberechtigung zugespro-chen.
Die Anerkennungskriterien wurden in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich verschärft, zuletzt durch den 1993 in Kraft getretenen Zusatz A des Grundgesetzpara-graphen 16, der festlegt, dass eine Anerkennung auf Asylberechtigung in Deutschland für denjenigen ausge-schlossen ist, der „aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemein-schaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist" (Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 16a, Absatz 2). Doch wie soll das gehen? Wie ist eine Flucht in die Mitte Europas vorstellbar, ohne vorher ein europäisch gesichertes Land zu durch-queren?
Mit der Ankunft im Weimarer Asylbewerberheim ist der lange Weg der Hoffnung auf einen solchen Status zumindest beschritten - und er besteht aus viel leerer Zeit. Die Menschen, die in den ehemals als Kaserne und Studentenwohnheim genutzten Gebäu-den im Norden Weimars wohnen, sind Exilanten ihres Landes und ihres Lebens. Ihre Situation ist paradox, denn in diesem Wartezustand können sie nur zwischen zwei Zei-ten wählen: zwischen einer Wartezeit, dem Warten auf Zukunft und ein neues Leben, und einer Abwesenheitszeit, dem Fehlen der Vergangenheit und des alten Lebens. Als Flüchtlinge oder Asylbewerber sind sie staatenlos, ohne Zugehörigkeit, sie haben keinen bürgerlichen oder gesellschaftlich legiti-mierten Status außer dem der geduldeten, der bloßen Anwesenheit. Bewegen sie sich durch die Stadt, dann tun sie es als Fremde. Sie sind aber keine Touristen, keine fremden Bürger, sie sind die unbekannten Fremden Weimars. Ihr Blick ist der nicht-touristische, er gilt nicht der Entdeckung, sondern dem unentdeckt Bleiben.
Wie sieht es also aus, wenn sie in Weimar sichtbar werden? Und wie sieht es aus, wenn sie Weimar sehen, ihren Blick auf Weimar richten? Wie sieht Weimar in ihren Augen aus? Und was können ihre Erzählungen auch über uns und über den Zustand unserer Gesellschaft erzählen?
Basierend auf Interviews, die Regisseur Carlos Manuel über längere Zeit mit Bewohnern des Weimarer Asylbewerberheims geführt hat, erheben sie in dem Theaterabend Never Land. Kein Land in Sicht ihre Stimme und erzählen von ihren Blicken auf die Stadt.

 

 

 
 

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